Jugendreise 2006 nach Heilbronn

An der diesjährigen Jugendreise nach Heilbronn nahmen 15 gehörlose und hörbehinderte Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren teil. Sie wurden von Sonja Naber von der DGSJ, Kerstin Wiedemann von der Gehörlosen Landessportjugend Bayern und vom Landesjugendwart des Gehörlosen Landessportjugend NRW Lars Neuhaus betreut. Ziel dieser Jugendreise war es vor allem, – wie auch schon bei anderen bereits veranstalteten Jugendreisen zuvor – bei den jungen Gehörlosen Interesse an und Motivation zu sportlicher Aktivität zu wecken. Darüber hinaus sollte den Jugendlichen während der Reise das Spektrum der möglichen Sportarten näher gebracht und Einblick in die unterschiedlichen Zusammenhänge gewährt werden, die die Möglichkeit sportlicher Aktivität im Rahmen des Gehörlosen Sports bieten, wie Gehörlosen Sportvereine und -clubs.

Ein weiteres Anliegen der Jugendreise war nicht nur, die Jugendlichen an den Gehörlosensport heranzuführen und damit eine Grundlage zu schaffen, die es möglich macht, schon früh sportliche Talente zu entdecken und zu fördern, sondern auch, ihnen die wichtige Begegnung mit anderen sportinteressierten gehörlosen und hörbehinderten Jugendlichen zu ermöglichen. Für diese achttägige Jugendreisereise hatten die Betreuer ein vielseitiges Programm ausgearbeitet. Die einzelnen Tage waren eingeteilt in Phasen mit viel sportlicher Aktivität – dem Schwerpunkt der Jugendreise -, kulturellem Angebot und ruhigen Phasen mit Gesellschafts- und Gruppenspielen. Folgende Aktionen standen auf dem Programm:

Phase des Kennen Lernens und der Eingewöhnung mit Hilfe diverser Kontaktspiele, kurze, dem Alter der Teilnehmer und Teilnehmerinnen entsprechende, Informationsvorträge zum Gehörlosensport, seinen Verbänden, Vereinen, Aufgaben und Aktivitäten mit einer anschließenden offen Runde mit der Möglichkeit, Fragen zu stellen und weitere Informationen zu bekommen, umfassende sportliche Angebote in unterschiedlichen Einzel- und Mannschaftssportarten wie Fußball, Volleyball, Tischtennis, Eislauf, usw. entsprechend der gegebenen Möglichkeiten, diverse Kinderkultur Angebote und immer wieder kehrende ruhige Phasen mit Gesellschafts- und Gruppenspielen als Rahmenprogramm.

Durch gezielte Kontaktspiele lernten sich die Jugendlichen kennen, nach ersten Berührungsängsten waren die meisten unter ihnen offen und entspannt im Umgang miteinander und mit den BetreuerInnen. Das schaffte den notwendigen Ausgangspunkt für gemeinsame Aktivitäten. Unbefangenheit und Offenheit der Jugendlichen sind eine wichtige Grundvoraussetzung für eine fruchtbare Arbeit mit ihnen. Angstfreiheit steigert die Motivation und Lernfähigkeit. Förderlich war auch, dass einige Jugendliche bereits mehrfach an einer Jugendreise der Gehörlosen Sportjugend teilgenommen hatten und sich untereinander kannten. Durch das heimische Gefühl, dass sie hatten, konnten sie den neu Hinzugekommenen den Einstieg in die Gruppensituation erleichtern. Die Reaktion auf die Informationsveranstaltungen war erstaunlich positiv, es gelang den Betreuern, bei den Jugendlichen ein großes Interesse an den unterschiedlichen Themen zu wecken. Aus der anschließenden Diskussion konnten die Betreuer für ihre Arbeit bei der Gehörlosen Sportjugend wichtige Erkenntnisse bezüglich der Anliegen junger Sport interessierter Gehörloser und Menschen mit Hörbehinderung gewinnen und gleichzeitig wurde den jungen Teilnehmern die Gelegenheit geboten, sich umfassend über ihre Möglichkeiten im Gehörlosensport zu informieren. Die vielfältigen sportlichen Angebote während der Jugendreise und der Kontakt zu Menschen, die im Gehörlosen-Sport bereits über Erfahrung verfügen, führte dazu, dass auch die TeilnehmerInnen, die sich anfangs zum Teil zurückhaltend für Sport interessierten, begannen, nachzufragen und mit großer Motivation daran gingen, neue Sportarten wie Tischtennis-, Volleyball-, Völkerball-, Brennball, Fußball und Eislaufen für sich zu entdecken. Einem glücklichen Umstand war es zu verdanken, dass sich zu gleicher Zeit eine Gruppe hörender Kinder und Jugendlicher in derselben Jugendherberge aufhielten, mit denen die Teilnehmer über das gemeinsame Interesse an Sport schnell in Kontakt kamen. Die entscheidende Erfahrung, die die gehörlosen und hörbehinderten Jugendlichen hier machten, war, dass gemeinsamer Sport einen besonders integrierenden Charakter hat, nicht nur in der Welt der gehörlosen Menschen und Menschen mit Hörbehinderung. Dieser Kontakt war ein für sie ein wichtiger Beweis für die Möglichkeit der Integration. Für die Betreuer unterstützten die sportlichen Begegnungen der hörenden und nicht hörenden jungen Menschen die Möglichkeit, die Jugendlichen in ihrem Leistungsverhalten im Vergleich zu hörenden Kindern und Jugendlichen zu beurteilen und förderungswürdige Talente zu erkennen. Unabhängig von der Freude, die Jugendliche in der Regel an gemeinsamen Aktivitäten haben, hat sich bei dieser Gruppenreise erneut gezeigt, dass gemeinsame Unternehmungen mit Jugendlichen den geeigneten Rahmen bieten, das Interesse an bestimmten Themen und Aktivitäten zu wecken. Gerade im Bereich des Gehörlosen Sports ist die Möglichkeit einer solchen Veranstaltung von großem Wert. Sportlich talentierte gehörlose und hörbehinderte Jugendliche leben in ganz Deutschland verstreut. Es wird immer wieder deutlich, dass es nach wie vor einen Mangel an Informationen über den Gehörlosen Sport und die damit verbundenen Möglichkeit für junge Sporttalente gibt. Im Rahmen einer organisierten Jungendreise für sportinteressierte gehörlose und hörbehinderte junge Menschen erhalten die Betroffenen zum einen Einblick in vorhandene Möglichkeiten und Angebote und zum anderen werden sie in ihrem sportlichen Interesse unterstützt und gefördert. Langfristig profitiert der Gehörlosensport in Deutschland von den Kinder- und Jugendreisen der DGSJ, da erfahrene Sportler und Betreuer hier oft den Grundstein für den Aufbau junger Talente legen können.

Josef Scheitle, Jugendsekretär

Print Friendly, PDF & Email


Förderer der dgsj
partner der dgsj
Medienpartner